Arbeiten als Barkeeper und Kellner

Thomas Juli 1st, 2008

Ich habe also schon gut zwei Wochen im Housekeeping gearbeitet. Die Stunden, die ich zugeteilt bekam, wurden immer weniger da nicht genügend Arbeit vorhanden war. Ich wusste, wenn ich dagegen nichts unternehme, dann reicht mir das Geld, welches ich beim Housekeeping verdiene niemals, um davon zu leben und so viel zu sparen, dass ich danach reisen kann.

Also habe ich angefangen mich etwas um zuhören, wo gibt es noch Arbeit, was könnte man eventuell zusätzlich machen oder wo kann man genügend Stunden in der Woche arbeiten um ausreichend Geld auf dem australischen Bankkonto anzuhäufen. Geputzt hatte ich jetzt genügend, das kannte ich und die schönste Arbeit ist es auch nicht. Es ist okay wenn man damit anfängt in Australien. Es ist wirklich nur halb so schlimm wie man es sich vorstellt, aber ich wollte dennoch etwas anderes machen.

Dann habe ich gehört, dass im Court House Hotel Arbeitskräfte gesucht werden. Also habe ich sofort meinen australischen Lebenslauf genommen, mir vernünftige Kleidung angezogen und bin unverzüglich zum bekannten Pub. Ich war schon einige Male dort um mit Freunden ein Bier zu trinken, ich kannte mich also aus und wusste wohin ich gehen muss.

Bewerben in Australien läuft immer auf die selbe Art ab. Man geht einfach zu der Firma, dem Restaurant oder der Eisdiele hin, bei der man einen Job haben möchte, stellt sich vor, sagt was man schon alles gearbeitet hat, welche Erfahrungen man in speziell diesem Bereich hat in dem man arbeiten möchte und gibt dann am Schluss seinen Lebenslauf ab. Es wird einem gesagt, dass man dann angerufen wird wenn eine Arbeitskraft gesucht wird. Genau so lief es auch diesmal ab.

Natürlich bekommt man in den seltensten Fällen einen Anruf. Auch ich habe keinen bekommen. Das ist eine der schlechteren Erfahrungen die man als Backpacker machen muss. Oftmals wird viel versprochen und wenig gehalten. Nicht nur in der Arbeitswelt ist das so. Also bin ich drei Tage später noch einmal dort hin, habe nicht nach irgendwem gefragt, sondern nach dem Manager der Personalentscheidungen treffen darf. Drei Minuten später hatte ich einen Job. Vorerst als Kellner beziehungsweise Footrunner, aber mir wurde zugesagt, dass ich nach einer gewissen Einarbeitungszeit Schichten hinter der Bar bekommen werde. Das war ja mein Ziel.

Ich vermute, dass ich deswegen gleich eingestellt wurde, weil ich durch mein wiederholtes Erscheinen gezeigt habe, dass ich wirklich an dem Job interessiert bin. Natürlich hatte Marc, der Service Manager des Pubs, meinen Lebenslauf (den ich ja drei Tage zuvor bereits abgegeben hatte) auch schon gelesen. Ich hatte ihn leider nie gefragt, warum er mich dann nicht angerufen hat, das hätte mich in diesem Fall schon interessiert.

Am Freitag war dieses Gespräch mit Marc, am Montag sollte ich dann gleich anfangen. Ich habe meinen anderen Job gekündigt und mich dann auf Montag gefreut.

Arbeiten als Kellner bzw. Footrunner in Australien

Als ich die Stelle bekommen hatte, war ich natürlich überglücklich. Aber halt, was hat Marc mir gesagt. Ich fange erst einmal als Footrunner an? Aber ich habe doch so etwas noch nie gemacht. Weder kann ich drei Teller tragen, noch habe ich jemals überhaupt einen Job in der Gastronomie gehabt. Au weh! Muss ich da auch die ganzen unterschiedlichen Gabeln, Messer und Löffel kennen?

Meine Anfangsfreude war wieder verflogen. Also ging ich schnell ins Hostel und dort direkt in die Bar. Ich kannte den Besitzer, Manager und den Barkeeper des Hostels. Ich habe mich besonders gut mit dem Manager und dem Barkeeper verstanden. Einer von beiden musste mir alles erklären. Als ich dann in der Bar des Hostels angekommen bin, stand Brock hinter der Bar, der Barkeeper mit dem ich regelmäßig Tischtennis und Billard gespielt habe.
Natürlich war es kein Problem, als ich ihn gefragt habe wie man drei Teller trägt und was ich denn sonst noch alles zu beachten habe. Er hat mir alles gezeigt und ich habe ein wenig geübt.

Am Montag ging es dann zu meiner neuen Arbeitsstätte. Ich habe zuerst mit dem Manager den ganzen Papierkram ausgefüllt. Bei jeder neuen Arbeitsstelle muss man die Formulare um die australische Steuernummer (Tax File Number – TFN), den Superannuation Fond (So etwas wie die Australische Rente) und ein paar andere Firmen interne Formulare ausfüllen.

Danach hat er mir kurz gezeigt wo sich die Sachen, die ich während der Arbeit benötigen werde befinden, wie die Arbeit abläuft und was ich zu tun habe. Die ersten zwei Tische hat er mit mir zusammen bedient, dann hat er mir auf die Schulter geklopft, gesagt dass es nicht mehr zu wissen gibt und ich war auf mich alleine gestellt.

Mit mir hat an dem Tag nur noch ein Mädel aus England gearbeitet. Sie hat mir dann die weiteren Feinheiten gezeigt.

Auch war es kein hundert prozentiger Kellner Job. Ich habe keine Bestellungen aufgenommen. Die Gäste haben das Essen an einem Schalter bestellt. Ich war dann nur noch fürs Servieren und eventuell weitere Wünsche zuständig. Ein wirklich einfacher Job. Ich hätte aber auch kein Problem mehr, mich in einem Sterne Hotel als Kellner zu bewerben, was ich mir vorher vermutlich nie zugetraut hätte.

Drei Teller zu tragen war kein großes Problem. Nach einer halben Schicht weiß man wie es geht und man kommt gut damit zurecht.

Aber ich wollte ja hinter die Bar, ich wollte Erfahrungen als Barkeeper machen. So habe ich nach zwei Wochen angefangen meine Vorgesetzten zu nerven. Marc, der Service Manager der mich eingestellt hatte, war nicht mehr beim Courty. Er hatte einen Job in Brisbane bei Virgin Blue, einer australischen Fluggesellschaft angenommen. Mit ihm konnte ich also nicht mehr reden, dass es ja so vereinbart war, dass ich nach einer kurzen Einarbeitungszeit hinter die Bar komme. Nachdem ich meine Vorgesetzten weitere zwei Wochen genervt habe bekam ich dann aber meine Chance.

Ich hatte gleich von Anfang an immer ein super gutes Verhältnis mit den anderen Barkeepern. Ich wusste natürlich, dass ich irgendwann eine Chance bekommen werde, die ich dann nicht vermasseln wollte. Also habe ich auch hier wieder nach allem Möglichen gefragt. Was sind die üblichen Drinks die bestellt werden, welche Cocktails machen wir, wie heißen die ganzen Biere die wir verkaufen und was sind Spezialgetränke, die nur alle drei Monate mal jemand bestellt. Ich wollte ja schließlich gut vorbereitet sein.

Ich bekam am Anfang nur zwei Schichten zugeteilt, die anderen drei Schichten in der Woche musste ich weiter als Footrunner arbeiten. Aber ich kam gut zurecht, sodass ich weitere zwei Wochen später nur noch hinter der Bar gestanden habe.

Auch hier ist es wieder ähnlich gut gelaufen. Nach ein paar Schichten kennt man die Getränke die bestellt werden und man weiß wo die Flaschen stehen. Barkeeper in Australien ist ein wenig anders als in Deutschland. In Australien kommen die Kunden zur Bar und bestellen ihre Getränke und zahlen auch gleich beim Barkeeper. Ist ein Stück Akkord Arbeit, denn die Kunden wollen ungern auf ihr kaltes Bier warten. Da kann es schon mal etwas hektischer zugehen, wenn einer an die Bar kommt und ein Lemon Lime Bitters, ein Vodka Soda Lime, zwei Bloody Mary, ein James Boags, ein Asahi und zwei Jacks and Coke – eins in einem 7 Oz und eines in einem 10 Oz Glas bestellt. Gleich in meiner ersten Schicht kam jemand an die Bar und hat eine ähnliche Bestellung abgegeben. So viel wie die meisten von euch beim lesen verstehen, habe ich auch hinter der Bar verstanden.

Dennoch, alles kein Problem, man ist sehr schnell eingearbeitet. Sehr oft sind die Mitarbeiter ebenfalls Backpacker und nehmen sich die Zeit, einem die Feinheiten zu erklären. Wenn man noch nie als Barkeeper gearbeitet hat, das aber schon immer mal machen wollte, ist Australien der perfekte Ort um seine ersten Erfahrungen zu sammeln.

Arbeitszeiten

Gearbeitet habe ich wirklich viel. Gleich in der ersten Woche hatte ich über 50 Stunden, was bei einer fünf Tages Woche bedeutet, dass ich im Schnitt zehn Stunden Schichten hatte. Da mir die Arbeit wirklich viel Spaß gemacht hat und ich ja auch wirklich viele Stunden arbeiten wollte, war mir das natürlich nicht zu viel.

Englisch während der Arbeit

Ich war zu dem Zeitpunkt circa sechs Wochen in Australien, davon habe ich fünf mit deutschen verbracht. Bei meiner ersten Arbeitsstelle war ich zwar auch zu einem gewissen Punkt gezwungen Englisch zu reden, aber ich hatte ja meine Reisepartnerin die auch deutsche war. So gab es immer nur kurze Unterhaltungen mit den Vorgesetzten bzw. „Vorputzen“ die auf Englisch geführt wurden. Um es etwas abzukürzen, mein Englisch war nicht das beste, ich kam die ersten sechs Wochen so gut wie ohne Probleme mit Deutsch zurecht, und ich hatte mich schon gefragt, ob ich wohl Probleme bei der Arbeit bekommen würde.

Diese Befürchtung hätte ich mir auch sparen können. Klar gibt es immer wieder mal etwas, was man nicht versteht, aber dann lacht man entweder immer schön mit *grins*, oder man sagt, dass man das Wort nicht kennt oder dass man den kompletten Satz nicht verstanden hat. Mit jedem Tag kennt man dann mehr Fachwörter aus dem Bereich in dem man arbeitet und durch den ständigen Small Talk den man mit seinen Kollegen führt, wird das Englisch auch immer besser.

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