Erfahrungsbericht Couchsurfing

Thomas November 24th, 2007

Da wir uns entschieden haben, für eine längere Zeit in Melbourne zu bleiben, stand schnell fest: wir müssen nach einer Alternative zum Hostelleben suchen. Wir haben dann darüber nachgedacht, wie man sich die Miete (zwischen 140 und 170 AUD pro Woche) einsparen oder sie wenigstens reduzieren könnte. Eine gute Bekannte hat uns den Tip gegeben, doch mal Cuchsurfing zu testen. Da wir vorher noch nie etwas davon gehört haben, hieß es erst mal schlau machen und Informationen einholen.(<-- Ich schreibe hier in der Mehrzahl, weil ich ein deutsches Mädel in Melbourne wieder getroffen habe mit dem ich schon in Port Douglas gearbeitet habe)

Wir meldeten uns unter www.couchsurfing.com an. Das heißt wir haben ein ausführliches Profil erstellt, unsere Interessen beschrieben, ein paar Fotos hoch geladen und damit waren wir Mitglieder des Couchsurfing – Netzwerkes. Natürlich kann man auf dieser Seite auch die Profile der Anbieter durchsuchen. Das haben wir dann auch getan. Dabei fiel uns Paul auf, dessen Profil sehr ansprechend klang. 43 Jahre, Grundschullehrer, Lebt fürs Reisen, hat Platz für zwei Personen, super Bewertungen von seinen ehemaligen Besuchern. Volltreffer! Daraufhin haben wir ihm eine mail geschickt und angefragt, ob er im Moment Platz bei sich hätte. Da wir ja erst ein paar Tage vorher Mitglieder geworden sind, konnten wir natürlich noch keine Referenzen oder Bewertungen vorweisen. Deswegen lud er uns einfach zu sich nach Hause ein. Bei einem gemütlichen Dinner sollten wir uns besser kennen lernen.
Während der Bahnfahrt dahin sprachen wir nicht viel. Jeder war in Gedanken versunken und vielleicht auch etwas aufgeregt. Wie es wohl werden würde, was uns erwartet, wie die Wohnung aussieht und vor allem ob wir uns gut verstehen.

Nachdem wir etwas außerhalb der Stadt an der vereinbarten Haltestelle ausgestiegen sind kam uns Paul schon lächelnd entgegen, begrüßte uns herzlich und stellte uns Jenny aus Südafrika vor, die auch gerade angekommen ist und mit ihrem Koffer darauf wartete, für 2 Tage ins neue Heim zu ziehen. Auch sie hatte Paul über die Couchsurfing Seite gefunden und kontaktiert. Wie sich später herausstellte, hatte sie den Service schon sehr oft in Anspruch genommen und dabei sehr gute Erfahrungen gemacht. Auf der Fahrt zu seinem Haus fragte er uns tausend Sachen und wir plauderten, als ob wir uns schon seit Ewigkeiten kennen. Das Eis war sehr schnell gebrochen.

Als wir an seinem Haus ankamen wurden wir von Molly und Monty, seinen 2 kleinen Hunden begrüßt. Schnell ging es ins Haus und er führte uns rum. Natürlich zeigte er erst mal das Gästezimmer. Es war sehr gemütlich eingerichtet und ich musste etwas über die zwei Teddybären, die er auf dem Bett platziert hatte, schmunzeln.

Es dauerte nicht lange bis wir die zahlreichen Reisefotos von ihm an den Wänden entdeckten. Und er erläuterte mit strahlenden Augen jedes einzelne. Er erzählte uns, dass er immer abwechselnd ein Jahr arbeitet und dann ein Jahr reist. Der nächste Reiseplan steht schon fest. Natürlich hatte er super interessante Geschichten zu erzählen und die Fotos sprachen Bände.
Er beantwortete uns alle Fragen, die wir im Bezug auf Couchsurfing hatten. Die Mitglieder einer Stadt treffen sich sogar in unregelmäßigen Abständen zum Barbecue. Der Großteil kennt sich somit. Eine große Famile, quasi.

Dann führte er uns durch den Rest des Hauses. Es war ein sehr schönes kleines Haus, nicht zu protzig, sondern eher einfach aber sehr schön und wohnlich eingerichtet. In seinem Wohnzimmer legte er dann eine CD ein (Red Hot Chilli Peppers!!! Sehr sympathisch) und wir machten es uns auf der Couch gemütlich.

Dann wurde eine Flasche Wein geöffnet und natürlich berichtet, erzählt und nachgefragt. Danach ging es ans Essen. Paul hatte eine Dip – Platte, zwei Salate und Früchte vorbereitet und grillte dazu noch Würstchen und Fleisch. Für uns war es eine tolle Erfahrung, wie gastfreundlich und hilfsbereit doch die Leute sind. Es war ein sehr schöner Abend und als es schon spät wurde, brachte uns Paul wie selbstverständlich wieder zur Bahnstation. Leider hatte er im Moment kein freies Zimmer aber er versprach uns, bescheid zu sagen, wenn es frei würde. Natürlich wusste er schon vor unserem Besuch, dass er keinen Platz hat aber trotzdem lud er uns, zwei wildfremde Menschen, zu sich ins Haus ein und zauberte ein tolles Menü. Es war ein richtig schöner und sehr unterhaltsamer Abend. Genauso herzlich, wie wir empfangen wurden, verabschiedete sich Paul auch wieder von uns. Im Gehen versprach er noch, uns eine positive Bewertung auf die Couchsurfing Seite zu schreiben.
Ein guter Start.

Wir werden sein Angebot leider nicht in Anspruch nehmen, da wir eher nach einer langfristigen Bleibe suchen aber es steht fest, dass wir auf jeden Fall während unserer Weiterreise darauf zurück kommen. Wir haben auch gelernt, dass es hier nicht in erster Linie darum geht, eine kostenlose Unterkunft zu bekommen, sondern vielmehr um den interkulturellen Austausch. Hilfsbereite und selbstlose Gastgeber, die einfach Spaß daran haben, ihre Stadt zu präsentieren und sich freuen, wenn sie helfen können, öffnen ihre Türe für Reisende, die dieses Angebot dankend annehmen und damit super tolle Erfahrungen machen.

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