Mein erstes Kangaroo

Thomas Juni 18th, 2007

Heute war unser Ziel der große Wilsons Promontory National Park welcher mich vom Aussehen ein wenig an die Landschaft in Korfu erinnert hat. Wie jeden Tag sind wir während der Autofahrt stundenlang von einer sagenhaft schönen Landschaft umgeben gewesen. Auf dem Weg von Cowes, wo wir übernachtet haben, nach San Remo liegt Churchill Island. Wir haben uns gerade nichts ahnend unterhalten, als wir nach einer Kurve mitten auf der Straße auf eine Kuhherde gestoßen sind. Wir waren so nah an den Kühen dran, dass wir sie fast hätten streicheln können. Einerseits fanden wir es ganz lustig, andererseits fragten wir uns schon, ob sie sich nicht angegriffen fühlen könnten und in der nächsten Sekunde aufs Auto losgehen. Nachdem ich dann ein paar recht nette Fotos für mein Australien Tagebuch gemacht hatte, kam uns der Bauer mit seinem riesigen Traktor entgegen und hat uns den Weg frei geräumt.

In San Remo angekommen sind wir direkt zum Bootssteg gefahren, da wir gehört hatten, dass man da massig Pelikane beobachten und mit viel Glück auch füttern kann. Mein Gedanke war nur:
Schlangen bisher? –> Nicht gesehen, keine einzige
Spinnen –> Fehlanzeige, nicht mal eine kleine Hausspinne :(
Krokodile –>Neeee, auch da hab ich noch keins gesehen
Kangaroos –> Nein, außer auf einem Bild
Koalas –>Leider ist auch hier die Antwort nein :(
—> Wenn ich schon in Australien bin und nicht eines der typischen Tiere gesehen habe, dann möchte ich doch wenigstens mal irgendwelche Tiere sehen, also lass uns Pelikane anschauen :). “So ein Schei**, da fliegst du nach Australien, eines der gefährlichsten Länder der Welt, wenn es um die Anzahl der im Land lebenden giftigen Tiere geht und du Dödel musst die Pelikane anschauen,…”
Letztlich war es dann aber doch ganz nett an dem Bootssteg. Wir hatten noch relativ viel Brot dabei und haben damit bestimmt 25 Pelikane aus vier bis fünf Metern gefüttert.

Nach San Remo ging es dann weiter nach Cape Paterson. Auf dem Weg dahin kamen wir an einigen super schönen Aussichtspunkten und Stränden vorbei, an denen wir wieder eine Menge an atemberaubenden Fotos der australischen Landschaft geschossen haben. Die Strecke bot außer der permanent schönen Landschaft noch viele kurvige Streckenabschnitte und Bec war mehr Rennfahrerin als vorsichtig.

Wilsons Promontory National Park

Gegen 14Uhr kamen wir dann bei dem großen und wirklich zu empfehlenden Wilsons Promontory National Park an.
Wir mussten 17A$ zahlen, damit wir im Park auf dem Hauseigenen Campingplatz campen durften. Nicht viel im Vergleich was dafür alles geboten wurde oder besser gesagt, was uns alles passiert ist.

Der Wilsonsons Promontory National Park ist umgeben von einer verblüffend schönen Landschaft. Berge die von Bäumen bewachsen sind, die es in Deutschland nicht gibt und die man noch nie gesehen hat, außer vielleicht mal in einer Dokumentation. Ebenfalls gibt es einige super tolle Aussichtspunkte, bei denen jedes Foto Preise gewinnen könnte und was das beste ist, der Park beherbergt auch die typischen australischen Tiere wie Wombats, Kangaroos und Wallabies.

Mein erstes Kangaroo

Wir waren gerade mal ein paar Minuten mit dem Auto unterwegs, da sah ich links neben der Straße ein Kangaroo stehen, welches gerade gefressen hat. Leider nur gerade noch so aus dem Augenwinkel. Ich schrie Bec gradezu an: “HALT! Da war ein Kangaroo!” Sie hat richtig gut reagiert, kurzer Blick in den Rückspiegel, es war kein Auto hinter uns und schon ging es voll in die Eisen. Wir haben dann mitten auf der Straße gewendet und sind zurück gefahren. Wir hatten richtig Glück, das Kangaroo stand immer noch an der selben Stelle, gerade mal 20 Meter entfernt von uns. Wir haben natürlich, wie es sich für einen vernünftigen Tourist gehört, gleich unsere Kameras gezückt und drauf los geknippst. WOW, mein erstes Kangaroo das ist gesehen habe. Was für ein Erlebnis. Nach ein bis zwei Minuten ist es dann wieder seinen Weg gegangen bzw. gesprungen.

Ich war noch immer beeindruckt von meiner ersten Begegnung mit einem Kangaroo, da kam auch schon die nächste. Wir hatten gerade eben erst gewendet und sind in Richtung Campingplatz weiter gefahren, da kam keine 500 Meter später auf der linken Seite eine große Wiese. Auf dieser Wiese standen in etwa 10 Kangaroos und 5 Emus. Ich war einfach fassungslos, genau das wollte ich sehen. Ich fragte Bec ob sie nicht auf die Wiese und dann näher an die Kangaroos fahren kann, damit wir bessere Fotos machen können. Ich hatte es kaum ausgesprochen, da ist aus dem 33 Jahre alten VW Bus ein Offroader geworden. Nach ein paar weiteren Metern hat sie dann an einer geeigneten Stelle angehalten.
Zuerst habe ich aus größerer Entfernung ein paar Fotos mit recht starkem Zoom geschossen. Das erste Kangaroo stand in einer Entfernung von vielleicht 80 Metern. Da mir das nicht genug war, bin ich langsam immer näher an das Kangaroo herangegangen, bis ich gerade mal 10 Meter entfernt war und habe dann noch mehr Bilder geschossen. Das Kangaroo war verblüffender Weise nicht schüchtern und ließ sich von mir nicht weiter beim Fressen stören. Erst als ich dann noch näher ran gegangen bin, fühlte es sich gestört und ist weg gesprungen. Ich kann ihm das auch wirklich nicht verübeln, auch ich hatte Befürchtungen, dass es sich vielleicht angegriffen fühlt und in die Offensive geht *g*

Nachdem mein australisches Model also weg gesprungen ist, bin ich näher an die anderen Kangaroos und Emus ran und habe dort versucht meine Fotosession australischer Ureinwohner fortzusetzen. Leider sind daraus keine guten Bilder entstanden, da sich die Tiere wesentlich früher gestört gefühlt haben.

Nach der Fotosession mit dem Kangaroo sind wir dann also weiter Richtung Campingplatz gefahren. Ich möchte mich ja eigentlich ungern wiederholen, aber ich war immer noch baff von der Begegnung mit den Kangaroos und Emus auf der Wiese, da ging es gleich weiter. Bec war plötzlich völlig nervös und schrie: “Da schau mal, ein richtig fettes Wombat“.Sie hat dabei auf den rechten Straßenrand gezeigt. Ich habe gerade noch schnell genug an die richtige Stelle geschaut und habe das Wombat noch die letzten drei Meter gesehen bevor es dann in den Büschen verschwunden ist. Man war das ein Brocken! Spätestens jetzt dachte ich mir, dass es genau richtig war, dass ich mich vor ein paar Tagen am Bahnhof nicht umgedreht hatte und schnell weg gerannt, sondern mit Bec mitgefahren bin. Diese Erfahrungen hätte ich sonst alle nicht gemacht. Was ich zu dem Zeitpunkt natürlich noch nicht wusste war, dass meine deutschen Kollegen selbst nach drei Monaten in Australien teilweise weder ein Possum oder Kangaroo geschweige denn ein Wombat gesehen haben. Nach dieser Begegnung mit dem nächsten typischen australischen Tier, ging es dann sage und schreibe eine langweilige halbe Stunde weiter ohne das wir irgendwelche tollen Tiere sichten konnten.
Nach etwas mehr als einer halben Stunde waren wir dann am Campingplatz angelangt.
Wir sind zwischen Bäumen auf einem kleinen Weg entlang gefahren und haben nach einem geeigneten Stellplatz gesucht. Die Äste der Bäume hingen weit in der Weg hinein. Da erblickte mein Adlerauge etwas auf einem Ast über uns bewegen. Ich war mir sofort sicher was es war, da ich solche Tiere schon in einem Park in Melbourne gesehen habe, als ich mit einem Bekannten auf dem Weg zu einem Pub war. Es waren Possums. Ich machte Bec darauf aufmerksam und sie hielt sofort an. Der Ast war gerade mal drei bis dreieinhalb Meter über dem Weg. Sie sagte dann ich solle doch unter den Ast gehen und Fotos schießen. Ich dagegen war ein wenig verunsichert, da mir mein Bekannter erzählt hat, dass ein Possum welches schlecht gelaunt ist, schon mal vom Baum auf die Störenfriede urinieren kann. Also hieß es für mich nur schnell unter den Baum, ein paar Bilder schießen und hoffen, dass alles glatt geht. Ich hatte anscheinend Glück und das Possum war gut gelaunt, denn nach der Fotoaktion war ich noch vollkommen trocken :)
Kurz darauf hatten wir dann auch schon einen geeigneten Stellplatz gefunden. Schnell duschen, danach etwas essen, ein bis zwei Bier trinken und dann ab ins Bett war unsere Abendplanung.
Vor dem Schlafen gehen wollte ich dann nur noch einmal kurz auf die Toilette. Nach circa 20 Metern sah ich rechts hinter den Bäumen irgendwas bewegen. Meine Augen hatten sich noch nicht ganz an die Dunkelheit angeglichen, deshalb blieb ich erstmal kurz stehen und wartete drauf, dass ich erkennen kann, was sich nur ein paar Meter weiter in den Büschen bewegt hat. Zuerst dachte ich, wie schon mehrmals an dem Tag, ich spinne, aber dann konnte ich es genau erkennen. Da standen zwei Kangaroos und haben in Seelenruhe gefressen, bestimmt keine fünf Meter weg von mir. Das eine gerade mal einen Kopf kleiner, das andere vielleicht zwei Köpfe kleiner als ich. Ich bin wie versteinert dagestanden und habe die zwei Kangaroos weiter beobachtet bis sie nach einer Minute wieder weiter gezogen sind.
Wie viel Glück muss man haben, um an einem Tag so viele Kangaroos an unterschiedlichen Stellen zu sehen, ohne das man in den Zoo geht?

Als ich dann wieder zum Auto zurück gekommen bin, stand Bec ganz aufgeregt vor der offenen Schiebetür ihres Wagens und machte mir flüsternder Weise klar, dass unter ihrem Auto irgendetwas ist und ich mich nicht mehr bewegen soll. Sie hatte es mir gerade erst klar gemacht, da kam auch schon ein richtig fettes Wombat unter dem Auto vor. Nicht besonders scheu lief es langsam an den Beinen von Bec vorbei. Als sie versucht hat es zu streicheln hat es vor lauter Angst leider einen Gang höher geschalten und ist im nächsten Gebüsch verschwunden. Ich habe dann nur schnell meine Kamera aus dem Wagen geholt und tatsächlich habe ich es noch geschafft 2-3 Bilder zu schießen, das beste seht ihr auf der linken Seite.

Was für ein Tag !! Ich habe soo viel gesehen,… Nun habe ich auch wirklich nichts mehr zu erzählen, das waren dann nämlich alle Erlebnisse für den Tag. Danach ging es dann nur noch ins Bett.

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